„Deutsch lernen, Potenziale erkennen und fördern“, drei Faktoren für die Integration in ländlichen Raum

Carolina Castro und Touria Fischer, von IQ – Bienvenidos (Bild -Petra Epting)

Sie fangen in einer neuen Stelle bei der AEF an, wo Sie als Beraterin für das Projekt IQ – Bienvenidos in BW in Hornberg arbeiten werden. Worum geht es in diesem Projekt?

Das IQ Projekt Bienvenidos in BW sieht vor, dass Menschen mit Fluchthintergrund und einer dauerhaften Bleibeperspektive, möglichst frühzeitig gefördert werden, durch individuelles Coaching sowie die persönliche Beratung und Begleitung bei der Erkennung geeigneter Fördermaßnahmen, damit ihre einzigartige Talente und Fähigkeiten  anerkannt und gefördert werden können, um sie schließlich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Ein zentraler Punkt des IQ Projekts  ist,  Migrantinnen und Migranten  über das deutsche Bildungs- und Berufssystem zu informieren. Damit sie die Notwendigkeit der fachlichen und beruflichen Anerkennung erkennen und geeignete  Weiterbildungs- und  Qualifizierungsmaßnahmen beginnen. Dabei steht im Vordergrund die qualifikationsadäquate und nachhaltige Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten und ihrer Zusammenführung mit den Betrieben in  unserer Region.

Die Zuwanderung wächst ständig in ganz Deutschland zu und damit treten auch neue Herausforderungen für die Integration auf. Ihre Meinung nach… Was für Bedürfnisse haben diese neuen Zuwanderer

Meiner Meinung nach haben die neuen Zuwanderer ähnliche Bedürfnisse wie wir alle. Sie möchten Teil dieser Gesellschaft werden und ihren zum Wohlstand dieser Gesellschaft ihren Beitrag leisten.

Eine der Hauptthemen der AEF Ist auch die Integration in ländlichen Raum.Was für Hürden müssen die Migranten hier bewältigen? Speziell in der Region Hornberg/Schwarzwald?

Die Hürden, die die Zuwanderer bewältigen müssen, sind vielfältig. Zum einen ist es schwieriger, bedingt durch größere räumliche Entfernungen und niedrigere Siedlungsdichte in ländlichen Regionen,  ein ausreichendes, bedarfsgerechtes  Integrationsangebot zu gewährleisten, zum anderen ist die Selbstorganisation der Migrantinnen und Migranten in ländlichen Regionen geringer ausgeprägt. Es gibt aber nicht nur Barrieren für die Integration in ländlichen Regionen, sondern auch einige Chancen, denn durch die  Überschaubarkeit des lokalen Raumes, die Nähe und Intensität des Zusammenlebens können sich auch günstig auf die Integration auswirken, weil Einheimische und Zugewanderte im Alltag viel häufiger aufeinandertreffen sowie miteinander kooperieren müssen. Dies ist oft in Großstädten nicht möglich. Im ländlichen Raum arbeiten Einrichtungen, Vereine,  wohltätige Organisationen, Kirchen sowie ehrenamtlich engagierte Bürger eng zusammen, dies hat eine positive Wirkung auf eine  schnelle und gelungene Integration von Zugewanderten. Auch hier schafft die räumliche Nähe weitaus mehr Kooperationsmöglichkeiten. Außerdem stellt der Flüchtlingszuzug, Chancen und Perspektiven für ländliche Regionen dar – nicht zuletzt aufgrund der  demografischen Entwicklung auf dem Land.

Aber damit Migration auch zu einer Chance für unsere Region Schwarzwald werden kann, ist es wichtig, Flüchtlingen dabei zu helfen, ihre Talente zu erkennen und zu fördern.

Bei der AEF werden Sie über die Anerkennung von ausländischen Abschlüsseberaten. Welche Probleme sehen Sie hier und wie könnte man diesbezüglichhelfen?

Die Probleme sehe ich darin, dass Migrantinnen und Migranten auf den langen und oft schwierigen Weg der Anerkennung   ihrer schulischen und beruflichen Qualifikationen, nicht die Kraft und den nötigen Willen haben, um das Ziel einer adäquaten Anerkennung zu erreichen. Die Gefahr sei gegeben, dass sie schnell im billigen Lohnsektor landen, weil sie schnell Geld verdienen wollen, um möglicherweise ihre Angehörige in ihren Heimatländern finanziell zu unterstützen.

Das Anerkennungsgesetz muss insgesamt vereinfacht werden. Den Zuwanderern muss bereits vor der Anerkennung ihrer Qualifikation ein Aufenthaltsrecht verliehen werden, um Zeit zu haben, zum Beispiel eine Nachqualifikation in Deutschland zu beginnen. Das Zuwanderungsrecht und das Anerkennungsgesetz sollten sich sinnvoll komplementieren und nicht gegeneinander gestellt werden.

In einer absehbaren Zeit, welche Ergebnisse wünschen Sie sich mit Ihrer Stelle in Hornberg? 

Mit meiner Arbeit in Hornberg wünsche ich mir, dass ich möglichst eine große Zahl an Geflüchteten erreichen und dazu beitragen kann, durch die persönliche Beratung und intensive Betreuung, die berufliche Perspektiven der Menschen nachhaltig zu verbessern. Dies kann mir auch gelingen, nicht zuletzt durch meine Sprachkenntnisse, die mich befähigen die Migrantinnen und Migranten besser zu verstehen und somit eine Vertrauensbasis herzustellen.

Als letztes: Aus Ihrer persönlicher Erfahrung,  können Sie vielleicht ein paar Tipps für neue Zuwanderer in der Region, damit sie sich schnell    integrieren?

Der Erwerb der Sprache gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen einer gelungenen Integration. Deshalb ist es wichtig, dass die neuen Zuwanderer alle Angebote zum Erlernen der Sprache wahrnehmen.

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